Die ehemalige Saline Wilhelmshall bei Rottweil gilt als baulich hervorragende Anlage des frühen Industriebaus in Baden-Württemberg. Eine Besonderheit sind ihre kuppelförmigen Überdachungen der vier Solebehälter, die von einer für die damalige Zeit ungewöhnlich funktionalen Industriearchitektur zeugen.

Rundebehälter in den 60er Jahren
Mit dem Bau der Saline Wilhelmshall begann 1825 in Rottweil die Salzproduktion. Zwischen 1827 und 1837 wurden die Kuppelbauten als Solereservoire angelegt. Sie dienten neben den zwei rechteckigen Solebehältern bis zur Stilllegung der Saline als Puffer, um bei Stillstand oder Ausfall der Soleförderung genügend Sole für die Salzproduktion bereit-
stellen zu können. Die kuppelförmigen Dächer schützten die Sole in den darunter befindlichen Becken vor dem Eintritt von Regenwasser und boten Lagerraum für Salzfässer.
Die Becken unter den Kuppelbauten waren in der Erde versenkt. Der Boden in ca. fünf Metern Tiefe sowie die Wandung waren mit einem dicken Lettenverstrich abgedichtet und mit groben Muschelkalksteinen gepflastert. Holzstützen standen im Becken und trugen auf der ebenerdigen Balkenkonstruktion einen Bohlenbelag.

Kuppel ohne Stütze
Die zwei runden schindelgedeckten Kuppeldächer sind zimmermannsmäßig gefügte Holzkonstruktionen aus 36 radial angeordneten, gekrümmten Bohlenbindern. Der Ring, der gleichzeitig die gläserne Dachspitze des Oberlichts trägt, wird von vier
Kopf-Bändern gestützt. Die Konstruktion erlaubte ursprünglich eine freitragende Kuppel.
Infolge der mangelhaften Aussteifung verschob sich im Laufe der Jahre der tragende Unterbau. Zur Aussteifung wurde unter anderem eine Mittelstütze in die Kuppel eingezogen. Der ursprünglich außergewöhnliche Raumeindruck wurde durch die nachträglich erforderliche bauliche Ergänzung empfindlich gestört.
Nach einigen Jahrzehnten wurden undichte Stellen im oberen Bereich der Kuppel festgestellt. Man versuchte, sie mit gebranntem Schwarzkalk abzudichten. Dies gelang nur zum Teil, so dass schließlich die zwei Rundbehälter wegen vermehrtem Eintritt von Regenwasser nicht mehr genutzt werden konnten.

Trapezdach aus Glas
Die zwei jüngeren, südlichen Kuppelbauten weisen einen achteckigen Grundriss auf. Diese acht nur vertikal geschwungenen Flächen konnten mit Tonziegeln eingedeckt werden.
Nach der Stilllegung der Saline wurden die Siedehäuser abgebrochen und die Solewannen verfüllt. Zwei Solereservoire wurden nach Bad Dürrheim versetzt und bilden dort heute das Fastnachtsmuseum „Narrenschopf“. Die zwei restlichen Kuppelbauten verblieben in Rottweil. Einer konnte wegen seines schlechten Zustandes nicht erhalten werden.
Der andere wurde unter Denkmalschutz gestellt und 1983 zum unteren Bohrhaus versetzt. Er ist heute Teil des Salinenmuseums.
Literatur:
G. Schulz, Die Saline Wilhelmshall bei Rottweil 1824–1969,
Veröffentlichung des Stadtarchivs Bd.1, Rottweil 1970.
Ingenieurbauführer BW 1999, S. 348-350.
